Ein Tag im Paradies

Als ich das erste Mal auf Ischia war, stand der botanische Garten nicht weit oben auf meiner Liste. Als ich das letzte Mal auf Ischia war stand „La Mortella“ ganz oben auf meiner Liste. Was ist passiert? Wieso botanischer Garten, was hat das mit Ischia zu tun? Alles!

Es ist die Komposition aus der Hand und dem Herz einer zauberhaften Lady für einen Komponisten, der Ruhe und Inspiration suchte. Es ist die leidenschaftliche Verwandlung einer kargen Felslandschaft in ein Paradies über 50 Jahre hinweg. Es sind die Farben der Insel, die Luft, die das Licht ganz besonders bricht und der Klang des Wassers. Es ist das Bekenntnis zweier geistreicher Menschen an diese Insel. War es Zufall, vielleicht Schicksal? Bestimmt aber Liebe auf den ersten Blick!

Nun erst einmal von Anfang an. Denn die Insel stand und steht für vieles über was man anstelle schreiben könnte.

Schon während der Vorbereitung stieß ich immer wieder spannende Anekdoten aus der Geschichte des Parks und der beiden Vordenker. Auch ich staunte nicht schlecht, als ich erfahren habe, wie die beiden sich kennengelernt haben: Sie: eine zielstrebige und unabhängige argentinische Schönheit von 22 Jahren. Er: angesehener englischer Komponist, 24 Jahre älter! Susanna, jung, attraktiv, temperamentvoll, brünettes Haar, große grüne Augen. William: Verliebt! Am Abend einer Konferenz in Buenos Aires, als sie sich das erste Mal begegneten, hielt er um ihre Hand an. Zwei Monate später heiraten die beiden.

Nicht schlecht, dachte ich. Das hat Feuer. Und genau diese Leidenschaft und Hingabe fühle ich jedes Mal in „La Mortella“. William kannte Italien. Er wollte nach Neapel, doch das war nach dem Krieg in keiner guten Verfassung. So kamen die beiden das erste Mal 1949 auf die Insel. Sie fanden eine felsige Hügellandschaft, karg und ohne Wasser-versorgung, Steine und tote Bäume. Kaum vorstellbar, wenn ich heute den Park betrete. Diese prachtvolle und üppige Vegetation. Diese Harmonie und Vielfältigkeit.

Jedes Mal freue ich mich besonders auf diesen Moment: Ich verlasse die befahrene Zufahrtsstraße und trete durch das große Portal in den Garten. Aus der gebotenen Vorsicht draußen wird vertraute Entspannung, aus Zweitakt-Motorenlärm wird heilende Ruhe.

Nach dem Eingang beginne ich immer mit den unteren Wasserläufen und biege dann nach links zum Victoria Haus ab. Von dort aus spaziere ich zum oberen Teil nicht ohne die unglaubliche Aussicht auf Forio zu genießen. Weiter geht’s Richtung Thai-Pavillon und zum Amphitheater. Die Steine geben oft das Tempo vor. Das ist kein Zufall auf dieser Vulkaninsel.

 

Auf dem höchsten Punkt ist die Luft von sanften Düften mediterraner Kräuter erfüllt.
Besonders freue ich mich immer auf das englische Teehaus, den Sonnentempel und natürlich das Nymphaeum. Ich staune über die Synthese aus den europäischen Gartenbauschulen: Vor allem über die französischen, englischen und andalusischen Elemente. Ich kann mir gut vorstellen wie Sir William Walton durch seinen Garten wandelte, an Lieblingsorten Inspiration fand und seine berühmten Bagatellen komponierte.

vianova_Reiseblog_Ischia_La_Mortella_La Mortella Panorama Forio mit Santa Maria de Soccorso_S

Gut zwei bis vier Stunden vergehen unbemerkt. Und selbst nach 5 Jahren entdecke ich bei jedem Besuch immer noch einen neuen Ort, eine neue Perspektive, einen neuen Pfad.

Ich bin dankbar, dass ich die faszinierende Geschichte des Gartens und seine Anziehungskraft seit einigen Jahren meinen Thüringer Gästen zugänglich machen darf.

Ich stoße mit Ihnen auf diesen wundervollen Ort an. Mit einem Cocktail, den Lady Susanna selbst entworfen hat: Einem trockenem Weißwein mit Myrte.
Salute!

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Italien Naturreisen Reiseziel

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