Ode an Prag

Prag ist magisch! Wer einmal in der Moldaumetropole war und sich auf ihren ganz eigenen Rhythmus eingelassen hat, der kommt ein Leben lang immer wieder zu ihr zurück. Prag ist wie ein guter Freund, mit dem Du durch dick und dünn gehst. Geht es Dir gut, genießt Du jeden Augenblick, vergisst die Zeit und fühlst Dich frei und alles ist möglich. Ob auf den quirligen Plätzen, in den schier endlosen Bars und Cafés oder am Flussufer der majestätischen Moldau. Bist Du betrübt oder hast Sorgen, umarmt Dich der sanft gülden schimmernde Sonnenuntergang über den Dächern der Stadt und das Rauschen des Flusses besänftigt Dein Gemüt.

Prag_Karlsbruecke_im_Abendlicht

Mein erster Besuch in Prag liegt nun schon 23 Jahre zurück. Damals auf Klassenfahrt erlebte ich die „Goldene Stadt“ noch eher touristisch. Die Prager Burg auf dem Hradschin (Hradčany), ein architektonisches Meisterwerk und größtes geschlossenes Burgareal der Welt. Die Karlsbrücke mit ihren 30 Heiligenfiguren aus Stein. Die Prager Altstadt mit der Astronomischen Uhr, dem Wenzelsplatz, den unzähligen Kirchen und Museen und den alten jüdischen Friedhof. Ziemlich viel oberflächiges Sightseeing für einen ersten Besuch, aber das war nur der Anfang. Prag hatte mich in seinen Bann gezogen. Nicht mal unbedingt wegen eines der genannten Highlights sondern wegen etwas, das man nicht sehen kann – Atmosphäre! Viele mögen jetzt die Stirn runzeln oder schmunzeln ob dieser Aussage, aber für mich hat die wunderschöne Stadt an der Moldau mit den zahlreichen Türmen einfach eine magische, mystische Atmosphäre aus Jahrhunderte langer, bewegter Geschichte und endlos künstlerischer Kreativität.

 

 

Anscheinend ging es auch nicht nur mir so, denn der zweite Besuch folgte einige Jahre später zur Abi-Abschlussfahrt in nahezu gleicher Besetzung. Das Hotel, außerhalb gelegen, war einfach und unspektakulär, aber dank des gut ausgebauten öffentlichen Verkehrsnetzes waren wir in knapp 20 Minuten Fahrt mit der Metro in der Prager Altstadt. In den fünf Tagen nutzen wir die Zeit u.a. für eine Führung durch die Prager Burg Anlage und den historischen Teil des Veitsdomes inklusive Besuch der Krypta. Der Zugang zur Anlage, ihren Gärten sowie zum vorderen, neugotischen Teil des Veitsdomes ist zwar prinzipiell kostenfrei, mit einem versierten Guide muss man sich aber nicht in die Warteschlange einreihen. Die sehr gute, ausführliche Führung dauerte 3 Stunden. Nachdem sich die Gruppe am Ende des offiziellen Teils auflöste und jeder den Nachmittag zur freien Verfügung hatte, blieb ich weitere Stunden auf dem Hradschin und genoss, abgesehen von den Touristenströmen, das faszinierende Flair in und um die Burganlage.

 

Mein besonderer Tipp für Bücherfreunde, ziehen Sie sich zurück, machen Sie es sich auf einer der Bänke in der wunderschönen Gartenanlage bequem und lesen Sie z.B. Kai Meyers historischen Roman „Der Schattenesser“. Die Geschichte ist in der Zeit des dreißigjährigen Krieges angesetzt und entführt Sie in die engen Gassen und dunklen Hinterhöfe Prags, wo der Schattenesser sein Unwesen treibt und die junge Protagonistin Sarai zahlreiche Gefahren überstehen muss. Das Buch versteht es vortrefflich die mystische Stimmung der Zeit und der Stadt zu beschreiben. Das Gefühl für die Zeit hatte ich damals völlig verloren und so schlenderte ich, noch vollkommen in der fantastischen Geschichte gefangen, in der Dämmerung mit den letzten Touristen durch das malerische Goldene Gässchen, wo einst Alchimisten versucht hatten, Gold und den Stein der Weisen zu erzeugen. Ein Gänsehautmoment!

Das blaue Haus Nr. 22 war einige Zeit der Unterschlupf Franz Kafkas, auf dessen Spuren ich mich einige Jahre später durch Prag machte. Die Stadt mit den verwinkelten Gassen und unüberschaubaren Straßen und Häusern hat Franz Kafka definitiv geprägt, was man auf verschiedensten Ebenen immer wieder in seinen Büchern bemerkt. Zurück zum Goldenen Gässchen. Mittlerweile kostet der Besuch Eintritt, dafür kann man dann in die Häuser gehen und diese besichtigen. Teils befinden sich historische Rüstungen, Souvenirläden und Cafés heute darin.
Mein Tipp: Wem es nur um das Flair der pittoresken, bunten Häuschen geht, der sollte nach 16 Uhr (Nov – März) bzw. nach 17 Uhr (Apr – Okt) vorbei schauen, denn dann ist der Durchgang völlig kostenlos.

 

 

Von dieser Abschlussfahrt ist mir vor allem auch eine Ruderbootfahrt auf der Moldau im Gedächtnis geblieben. Nahe des Nationaltheaters und der Brücke Most Legi ging es von der Sophieninsel mit einem kleinen Ruderboot entspannt auf der Moldau entlang der historischen Altstadt rechter Hand und der Kleinseite linker Hand. Prag vom Wasser aus, ein weiterer magischer Moment fürs Leben.

Seitdem besuche ich Prag in unregelmäßigen Abständen und gleich welcher Jahreszeit immer wieder. Das Wetter meinte es fast immer gut mit mir. Im Winter wirkte Prag unter einer dicken Schneedecke fast schläfrig und melancholisch schön. Im Frühling erwachte die Moldaumetropole in sanftem Grün und laue Sommerabende verzauberten durch die fast schon rosamunde-pilcheresken Sonnenuntergänge, die der Stadt ihr goldenes Schimmertuch überzogen.

 

Egal ob Sie Prag nur kurz besuchen oder wie ich immer wieder, die majestätische Moldaustadt wird nicht müde zu erzählen. Die Stadt der Literaten und Künstler zieht Sie in ihren Bann, da bin ich mir sicher.

Prag_Hradschin_Prager_Burg

Kulturreisen Prag Städtereise Tschechien

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