Elbphilharmonie – Musik gibt’s hier auch noch?

Was lange währt wird gut…nach gut 9 Jahren Bauzeit hat das aktuell wohl berühmteste Konzerthaus Deutschlands seine Säle dem geneigten Besucher geöffnet. Und diese haben de facto eine Sogwirkung, die ganz sicher so vom Architekten baulich nicht beabsichtigt war.

Abertausende Besucher haben in den ersten Monaten die Elbphilharmonie erkundet, bestaunt, beschnuppert und erhört. Und so auch ich, als ich 2017 Hamburg einen Besuch abgestattet habe.

Ganz neutral konnte ich den als alten Speicher noch ein wenig zu erkennenden Bau leider nicht betreten. Zu oft habe ich Berichte gesehen, zu oft habe ich über ihn Zeitungsartikel gelesen und zu oft habe ich mich mit Bekannten und Reisenden über deren Erfahrungen ausgetauscht. Und ja – es war alles an Meinungen dabei, was man sich auch nur irgend vorstellen kann. Vielleicht hat aber genau das auch meine Sinne geschärft, denn ich wollte die Elphi für mich entdecken. Also auf.

Tickets gibt’s die Straße rüber, komisch, aber clever. Schont es doch ein wenig die Nackenmuskeln beim hochschauen und erschließt einem schon von außen den Blick aufs Ganze. Und auf Details, für welche die Gästeführerin an diesem Morgen zu sensibilisieren weiß. Die Einfahrt über eine leicht gewölbte Rolltreppe hat was. Die Glasbausteine setzen einen ersten Akzent. Die ganze Nummer passt, für mich. Tausend Mal besser als Lifte oder klassische Rolltreppen.

Und dann die erste Terrasse. Viele Menschen. Tolle Ausblicke. Irgendwie fühlt man sich wie eine Ameise im Gehörgang eines Elefanten – organische Formen, wenige Ecken. Und die eben noch präsenten Menschen verlaufen sich. Jeder findet seinen weg. Entweder auf der Außenterrasse mit frischer Seeluft und ab und an einer steifen Brise oder aber in den Ebenen und Sälen des Konzerthauses, welches ich im Rahmen einer Führung kennen lerne.

Breite Treppen, unglaublich viel Licht für einen so kolossal wirkenden Bau und dann erst das viele Holz. Eiche in seiner schönsten Form. Roh, einfach geschliffen, kein Lack. So kann es leben. Und atmen. Und jeder Einzelne der vielen Besucher kann es spüren. Ich atme tief ein – es riecht wie bei einem erholsamen Waldspaziergang. Und nutze den hölzernen Handlauf, auch wenn ich dies noch lange nicht tun müsste. Aber es fühlt sich einfach gut an.

All die verschiedenen Ebenen und Zugänge zu den Sälen, zu den Garderoben sind bestens kenntlich gemacht. Man findet sie, aber sie drängeln sich auch keinem auf. Hier hat auch das Foyer seine Daseinsberechtigung und möchte den Besucher halten. Bei mir hat es dies geschafft. Und so genieße ich den Ausblick auf den Hamburger Hafen. Die Glasbausteine sind auch ohne die interessanten Anmerkungen unserer Führerin imposant. Und auch hier gibt es organische Formen und eine Sprache, die Ecken und Kanten im Kopf verschwinden lässt. Kein schwarz und weiß, sondern hier ist alles viel mehr.

Die Ausführungen zur Schaffung der Akustik, zu all der Theorie welche durch die Planer in den Bau eingeflossen ist, empfinde ich als sehr wertig und gut abgestimmt. Für mein laienhaftes Verständnis vom Thema. Und es steigert meine Vorfreude auf eben diesen Großen Saal, in dem ein Konzert zu erleben gerade für viele mit das Wichtigste bei einem Hamburgbesuch ist.

Durch die Akustiktüren betreten wir ihn, den Arbeitsplatz der Künstler. Und genauso stellt er sich mir vor. Ein Konzert am Abend wird vorbereitet. Die Künstler proben, stellen all das ein was später für saubere Klänge sorgen wird. Üben und werden vertraut mit dem Raum. Sie dabei zu beobachten und noch besser – dabei belauschen zu dürfen macht mich glücklich.

Die Elbphilharmonie hat mich bekommen. Von Anfang bis Ende. Und ich werde ganz sicher wieder kommen. Ob mit Konzertkarte oder „nur“, um wieder durch die Gänge zu wandeln und die Atmosphäre in mich aufzusaugen. Denn auch ohne Klänge jedweder Arte aus dem Großen Saal weiß das Konzerthaus zu begeistern.

 

Und ja, dieser Blogbeitrag kommt ganz absichtlich ohne Bilder aus. Denn ich habe einfach mal auf das gehört, was die Gästeführerin mehrfach sagen musste – fotografieren im Gebäude ist untersagt. Mir war egal warum, sie haben ihre Gründe. Ich wollte mich eh aufs Wesentliche konzentrieren.

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