Breslau auf den Spuren der Zwerge entdecken

Beim Blick auf den Kalender und unsere Familien-Dienstreisen-Wochenendplanung ist meiner Frau und mir im Sommer aufgefallen, dass der Tag der Deutschen Einheit 2017 ein langes Wochenende erlaubt – und sich somit geradezu für eine unserer so geliebten Städte-Erkundungstouren anbietet. Mit kleinem Kind haben wir einfach einen anderen Rhythmus, brauchen mehr freie Momente. So werden dann die Entdeckungstouren durch neue Städte weder für uns noch für den Junior zur Tortur. Wohin es gehen sollte war schnell geklärt – stand doch Breslau schon seit einer Weile auf unserer to-do-Liste.

Wir wussten so einiges über die Stadt und eine Kollegin gab so viele wertvolle Tipps, dass ich die Hälfte davon vergas oder nicht umsetzen konnte – tja, ihr Kind ist schon aus dem Haus. Aber etliche Blogbeiträge zu Breslau und Schlesien und ein Reiseführer rundeten alles bestens ab.

Wir suchten ein Quartier und fanden dies in einer sehr zentralen Ferienwohnung. Mit Küche und extra Wohnbereich waren wir also bestens gerüstet für die Abende daheim, die uns junge Eltern nun einfach mal auch auf Reisen nicht los lassen. Und nur deswegen fällt unsere Wahl darauf, wissen wir doch den Service eines Hotels sehr zu schätzen.

Und da wären wir doch gleich bei einem der Punkte, der einen Touristiker immer und auf jeder Reise begleitet. Sei sie privater oder dienstlicher Natur. Man schaut sich Hotels an. Und so auch wir an unserem langen Wochenende. Das Park Plaza Hotel in Breslau kommt nicht umsonst so bei unseren Gästen an. Es liegt zentral, direkt am Ufer der Oder. Zu Fuß sind es bis in die Altstadt vielleicht 10-15 Minuten. Und nicht nur das – auch das Hotel als solches weiß zu überzeugen. Guter 4-Sterne-Standard, entspannte Lage am Wasser mit Blick vom Restaurant auf eben dieses und vor allem ein zuvorkommender Service. So soll es sein und ist es hier.

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Die Fahrt von der deutsch-polnischen Grenze über nagelneue Autobahnen, die scheinbar endlose Wälder durchschneidet und von zahllosen Wildwechselbrücken überquert wird. Ja, dies war so augenscheinlich, dass wir sehr gespannt waren auf Schlesien, dessen Hauptstadt wir vier Tage lang erleben wollten. Unsere Reiseerfahrungen in Polen sind sehr vielfältig und intensiv, doch so gut angereist und komfortabel sind wir noch nie. Es hat sich viel getan auf Polnischen Autobahnen.

Die Stadt empfängt einen mit typisch rauem Charme. Industriebereiche und an alte Zeiten erinnernde Kriegerdenkmale. Ab und an Wohnblocks, die eine Zuordnung in den ehemaligen Ostblock nur zu einfach machen. Doch die Innenstadt ist schnell erreicht und sofort zeigt sich, dass hier alte Baustile prägend sind. Und das junge Menschen ein wunderbarer Kontrast dazu sind. So erscheint diese Stadt wunderbar lebendig. Klassisch schön auf der einen Seite, dynamisch und nach vorne blickend auf der anderen. Ja, so war unser erster Eindruck. Die große Studentenschaft prägt das Stadtbild. Es gibt gerade in der Altstadt unglaublich viele Bars und Restaurants, die dazu einladen dem Schauspiel auf den Altstadtgassen zuzuschauen. Und viele dieser bieten authentische polnische Küche an. Zwei Jahre meines Berufslebens habe ich hier verbracht und glaube dies halbwegs einschätzen zu können. Und so kam ich endlich mal wieder in den Genuss von Piroggen und Zurek, von leckeren eingelegten Gurken und aufräumendem Kartoffelbrand.

Da wir aber unsere Tage in Breslau nicht nur mit leckerer Küche füllen wollten nahmen wir den roten Faden der Zwerge auf und folgten ihrer Spur. Wir lasen schon bei unserer Reisevorbereitung von ihnen und fanden die Geschichte dahinter und drum herum so toll, dass wir mit unserm und den Breslauer Zwergen die Stadt erkunden wollten. Und so sollte es auch sein.

Wie es zu den Zwergen kam erklärt am besten deren Website:  krasnale.pl/de. Inzwischen gibt es über 230 in der gesamten Stadt. Sie weisen auf Plätze und Geschehen hin, sie nehmen ab und an spaßig Themen auf und sensibilisieren für diese, zeigen einem was sonst vielleicht verborgen geblieben wäre. Und dies immer mit ganz liebevoll und detailliert gestalteten Bronzefiguren, denen einfach die Herzen zufliegen. Und dies nicht nur, weil unser kleiner Zwerg sich mit jedem einzelnen bestens verstanden und kindstypisch sofort angefreundet hat.

Die Professoren-Zwerge an der Uni erinnern an die Aula Leopoldina. Einem ebenso historischen wie beeindruckenden Saal, der trotz der derzeit laufenden Restaurierungen unbedingt sehenswert ist. Die drei Zwerge die nichts hören, sehen oder sagen neben dem Schweidnitzer Keller erinnern an die Sinne, der Geldautomaten-Zwerg daran, dass auch die kleinen Geister ohne den schnöden Mammon nicht auskommen. Wir ließen uns treiben durch die vielen Straßen und Gassen, hielten die Augen auf und entdeckten immer wieder neue Zwerge. Ob auf dem Boden oder auch hoch oben. Die Suche nach ihnen schärfte unsere Sinne und ließ uns Breslau wahrlich intensiv erleben. Wir fühlten uns verbunden, ganz einfach. Und dies nicht nur deshalb, weil unser Sohnemann mit den Breslauer Zwergen ganz schnell Freundschaft schloss. Nein, sie eröffneten uns auf ganz angenehme Art und Weise diese uns neue Stadt. Und das fühlte sich gut an. Wir hatten mit ihnen quasi eine Stadtführung, bei der wir das Tempo bestimmten, bei der wir den Inhalt bestimmten. Denn wir erfuhren ja auch nur das, was die von uns entdeckten Zwerge erzählten.

Von der Altstadt ist es nur ein Katzensprung an die Oder. Und da wir gerne am und auf dem Wasser sind, haben wir bei einer kurzweiligen Bootstour die Perspektive getauscht und die Stadt vom Fluss aus entdeckt. Und auch hier entdeckten wir Zwerge, dieses Mal beim Wäsche waschen am Oderufer. Ja ja – in den alten Tages gab es keine Waschmaschinen und hier war einer der Waschplätze.

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Den Blick von oben bieten in Breslau der Sky Tower und der nördliche der beiden Türme des Doms. Wir wählten letztgenannten, bot sich die Befahrung nach einem entspannten Spaziergang durch das Domviertel doch als Abrundung an. Und ja, nur wenige Stufen führten zum Lift, der uns schnell und bequem in luftige Höhen brachte. Der Ausblick war schön und zeigte die schon eingangs erwähnte Vielfalt einer Großstadt, die nicht nur die idyllischen Seiten der Altstadt zu bieten hat. Schön war es auf jeden Fall und unbedingt eine Empfehlung wert!

Neben ausführlichen Altstadtbummeln, dem Besuch der Aula Leopoldina und des Domviertels steht bei vielen Breslaubesuchern die Jahrhunderthalle ganz oben auf der to-do-Liste. So auch bei uns. Ein paar Kilometer östlich des Stadtzentrums gelegen grüßt sie schon aus einiger Entfernung mit der knapp 100 Meter hohen Nadel, der Iglica. Einem an den Spire in Dublin erinnerndes Monument schlichter aber imposanter Schönheit. Die Jahrhunderthalle beeindruckt dagegen mit inneren Werten. Und fürs sensibilisieren eben dieser ist die begleitenden Ausstellung unbedingt erlebenswert. Zeigt sie doch multimedial und auch auf Deutsch, wie es zum Bau kam, wie diese damals so moderne Halle überhaupt entstehen konnte. Wir waren begeistert und unser Blick für Stahlbetonbauten hat sich schlagartig geändert.

Die Umgebung der Jahrhunderthalle lädt, wenn denn die Zeit dafür da ist, zu einem kleinen Spaziergang ein. Das große Wasserbecken hinter der kleinen Messe zeigt 1x pro Stunde eine Fontänenchoreographie, nun ja. Der Japanische Garten hat uns da besser gefallen, nicht nur weil in uns beim Tori-ii schöne Reiseerinnerungen an den fernen Osten hoch kamen.

Beim Bummeln durch die Stadt kamen wir mehr durch Zufall auch in eine Markthalle. Voll in Betrieb mit vielen Händlern, die von Blumen über Obst und Gemüse so allerlei verkauften. Unser Blick, geschult durch den Besuch der Jahrhunderthalle, blieb aber fasziniert an der Bauweise haften. Stahlbeton, damals in Breslau also nicht nur beim Bau der Jahrhunderthalle groß in Mode. Und das gute Gefühl beim Schlendern wurde dann getoppt, als wir im Lokal an der Markthalle einkehrten. Historische Kellerräume, eine offene Küche, netter Service und selbst gebrautes Bier – wir waren gespannt. Die klassische Polnische Küche wurde von den beiden Köchen ungemein sexy aufgewertet – meine Ochsenbäckchen mit Rotkraut waren ein Gedicht. Die Piroggen mit verschiedenen Füllungen unglaublich lecker. Meine Frau war mit der von ihr bestellten Schweinshaxe auf Sauerkraut wunschlos glücklich. Das Restaurant Targowa war ein Zufallstreffer  und eine weitere klare Empfehlung. http://www.targowa.eu/rezerwacja/

Wenn auch verlängert durch einen Brücken- und einen Feiertag – das lange Wochenende ging auch irgendwann vorbei. Und wir waren sehr glücklich, das schöne Breslau kennen gelernt zu haben. In unseren Augen eine charmante Stadt. Nicht kaputt saniert, authentisch lebendig. Gerade durch die vielen Einheimischen, die hier auch in der Innenstadt zu sehen sind. Dies unterscheidet Breslau in unseren Augen von vielen anderen Top-Städtereisezielen wie Prag und Dresden. Und lässt uns bestimmt wieder kommen. Sind es doch von Weimar aus auch nur gute vier Autostunden.

Polen / Tschechien / Osteuropa Reiseziel Städtereise

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