Madeira kann mehr als nur Levada

Madeira bietet viel mehr als wundervolle Levadawanderungen. Dies heraus zu finden kostete mich mindestens drei Besuche auf der Atlantikinsel. Zu unterschiedlichen Jahreszeiten obendrein, was dem Entdecken der Vielfalt eher einträglich war.

Meine Zeit auf der Insel habe ich neben dem Besichtigen von Hotels – als Touristiker tue ich dies zum Leidwesen meiner Frau eigentlich immer und überall – vor allem mit Wandern verbracht. Diese Leidenschaft teilen wir uns in der Familie und so besteht in aller Regel Konsens darüber, dass wir uns am Morgen die Wanderstiefel schnüren.

Absolute Klassiker auf Madeira sind Wanderungen entlang der Levadas. Ansich als Wasserläufe zur Versorgung der kleinen Ortschaften und der Landwirtschaft geschaffen, haben sie auch immer einen sie begleitenden Pfad, der den Arbeitern die Reinigung und Instandhaltung erleichtert. Auf eben diesen Pfaden wird heute gewandert. Und es liegt in der Natur der Sache, dass zumindest unmittelbar am Wasserlauf keine nennenswerten Steigungen den Puls des Wanderers in die Höhe schnellen lassen. Reinweg die Ein- und Ausstiege zu den Levadas sind oft mit etwas Fahrerei und Sucherei verbunden. Gute Wanderführer einschlägiger Verlage oder aber geführte Touren wie bei unseren Reisen lösen dies aber bestens.

Die Levadawanderungen auf Madeira bieten im Idealfall eine Kombination aus für Jedermann gut wanderbaren Strecken, wunderschönen Ausblicken auf den Atlantik und Einblicke in die immergrün scheinende Natur der Insel. Kleine von Bauern bestellte Parzellen an steilen Hängen runden das Ganze oft ab. Abwechslungsreich – so kann man die meisten Wanderungen entlang der Levadas mit Fug und Recht bezeichnen. Für uns bedeuten die Levadastrecken ob ihrer Kontraste ganz viel Wanderfreude.

Ab und an hat man sogar das Glück, dass sich an der Levada kleine Einkehrmöglichkeiten ergeben. Meist recht einfach und karg kann man hier aber etwas trinken, eine Kleinigkeit essen oder nur so ein Päuschen einlegen. Für den geneigten Wanderfreund nicht zu empfehlen ist, die Pause zum Kennenlernen des für Madeira so typischen Poncha zu nutzen. An meine müden Knochen danach kann ich mich noch heute erinnern. Denn der Wirt hatte es mit dem Aguadente – dem Feuerwasser in seinem Poncha besonders gut gemeint.

 

Ganz im Osten der Insel lockt eine Wanderung, von der man schon im Landeanflug auf die Insel einen ersten Eindruck bekommt, wenn man denn auf der rechten Seite im Flieger sitzt. Eine karge und felsige Klippenlandschaft mit oft steilem, auf jeden Fall steten Auf und Ab verspricht einen tollen Wandertag. Der Atlantik umspült das Ostkap von Nord und Süd und somit bieten sich ständig schöne Ausblicke aufs Meer. Für mich eine Wanderung, die bei einem Madeiraurlaub nicht fehlen sollte.

Und beim Besuch der Ponta de São Lorenço ganz im Osten der Insel bieten sich je nach Lust und Laune auch ein Abstecher ins Walfängermuseum in Caniçal oder ein Besuch der fast altertümlich daher kommenden Aguadente-Fabrik in Porto da Cruz an. Mit alter Dampfmaschinentechnik wird hier dem heimischen Zuckerrohr der Saft entlockt, aus dem später ein Schnaps gebrannt wird, der den Poncha so wärmend wie süffig macht.

 

Auf dem Weg in den Nordwesten der Insel gibt es zwei ebenso schöne wie unterschiedliche Wege. Die Küstenstraße bietet tolle Kontraste zwischen blauem Meer, steilen Felsen und grünem Wald, unterbrochen von vielen kleinen Ortschaften. Der Weg durchs Landesinnere führt erst einmal bergauf, um dann durch die Hochebene Paúl da Serra gen Westen zu abzuzweigen. Eine Landschaft, die je nach Licht und Wetter durchaus mondähnlich wirken an. Auf jeden Fall, wenn wir bei irdischen Begrifflichkeiten bleiben wollen, mich an Island und die karge Landschaft dort erinnert. Eben und fast glatt, wenig  und wenn eher karge Vegetation, nicht selten in einen mystischen Nebelschleier gehüllt.

Wanderungen hier oben haben ihren ganz eigenen Charakter und sind für eine abwechslungsreiche Madeirareise unbedingt zu empfehlen. Einen wunderbaren Tagesausklang fanden wir in Porto Moniz, einer der wenigen Möglichkeiten auf Madeira einmal ins Meer zu springen. Denn so reich die Insel an toller Natur und Wanderpfaden, an leckerem Essen und netten Menschen ist – mit Stränden kann sie so gar nicht punkten. Und so ergeben sich in Porto Moniz auch eher ungewöhnliche Bademöglichkeiten in aus Lavasteinen geformten Becken, die vom Meerwasser umspült werden. Klingt komisch? Badet sich aber super!

 

Ein viertes und in meinen Augen ganz wunderbares Gesicht zeigt Madeira bei Wanderungen zwischen den im wahrsten Sinne des Wortes Inselhöhepunkten. Die Berge Pico Ruivo und Pico do Arieiro verbindet ein Wanderpfad, der nichts für Jedermann und auf jeden Fall nur für gut beschuhte Wanderfreunde mit guter Kondition ist. Nachdem wir diese Tour einmal im April wegen Schnee und Eis und damit Sperrung der Strecke nicht gehen konnten, haben wir im August eines anderen Jahres Glück gehabt. So gegen 8 Uhr waren wir fast die ersten auf der Strecke und konnten das Aufreißen des Wolkenteppichs unter uns zwischen den Felsen im Inselinnern beobachten. Unvergessen ist dieses, genauso wie die Anstrengungen, die uns die Strecke später abgefordert hat. Vielleicht ist es auch das Gesamtpaket – aber diese Wanderung gehört definitiv zu unseren Empfehlungen auf Madeira.

Bei all den wirklich schönen und abwechslungsreichen Wandermöglichkeiten stellt sich natürlich auch immer die Frage, wo wir nächtigen. Wir haben uns jedes Mal für ein Quartier in Funchal entschieden. Als zentral gelegene Hauptstadt bietet sie in unseren Augen den größten Mehrwert, um auch abends noch einmal die Seele baumeln zu lassen. Ob im quirligen Altstadtkern mit netten Bars unter Palmen, in den engen Gassen des ehemaligen Fischerviertels oder in der angesagten Barreirinha mit leckeren Cocktails, entspannter Musik, vielen Einheimischen und einer lokalen Spezialität, die wir genau hier immer wieder gerne knabbern – Tremoços. Lupinenkerne als Kleinigkeit zum Bier oder Drink, sehr angenehm und lecker.

All´ das bewegte uns bisher mehrfach auf Madeira Urlaub zu machen. Die Insel hat ihre Reize, im Februar genauso wie im Mai oder August. Und ist nach unserer Erfahrung ein tolles Ganzjahresziel. Viel Grün, mildes Klima, tolle Möglichkeiten für alle Wanderfreunde, gute Hotels und leckere Küche mit vielen Spezialitäten und natürlich relativ gute Fluganbindungen aus Deutschland machen das Gesamtpaket so angenehm und verlockend. Wir kommen ganz bestimmt wieder. Até a proxima Madeira!

 

Auf unserer Wanderreise Madeira gibt es einige der von mir erwanderten Strecken live zu erleben.

Art der Reise Portugal / Madeira Reiseziel Wandern

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