Israel als Randgruppe bereisen – immer wieder gerne

Meine Frau und ich gehören zu einer Randgruppe, aber da stehen wir drüber und nehmen es gelassen. Wir freuen uns seit Monaten auf unsere Reise. Und nun gilt es Israel von Nord nach Süd, von Ost nach West zu erkunden. Nicht im Rahmen einer Pilgerreise, wie sie uns während unseres Trips immer wieder begegnen wird. Wir reisen gänzlich ohne religiösen Ansporn. Unser Reisefieber ist auch ohne in den Vordergrund gestellten Glauben stark genug, um auf den vielen historischen Spuren all der Entdecker, Eroberer und Erlöser zu reisen.

Wir fliegen direkt von Deutschland ins Zentrum Israels. Trotz oder vielleicht gerade wegen unserer bisherigen Reiseerfahrung waren wir gespannt auf das Einreiseprozedere. Aber alles halb so spannend und aufreibend wie gedacht – hier wird auch nur mit Wasser gekocht.

 

Unsere ersten Tage verleben wir ganz urban in Jerusalem. Wir wollen ankommen im Land, das von zwei miteinander und doch auch nebeneinander lebenden Kulturen geprägt ist. Die der jüdischen und die der arabischen Bevölkerung. Wir wählen eine Unterkunft im arabischen Teil der Stadt. Am Abend belebte Straßen, fliegende Händler, orientalische Gerüche die einem schon früh andeuteten, dass es gleich etwas Leckeres geben könnte. So suchen wir es – und finden es. Da zahlt sich der Rat eines Freundes aus, unsere Reise am besten an einem Sonntag oder Montag zu beginnen. Denn somit erleben wir erst ein paar Tage ein lebendiges Land, bevor am Freitag und dann am Samstag beide Hauptreligionen des Landes ihre freien Tage verbringen.

Die Altstadt Jerusalems beeindruckt uns. Mit ihren engen Gässchen, dem Hauch Geschichte der uns gefühlt hinter jeden Ecke erwischt, all den historischen Gemäuern, die wir doch zu kennen glauben aber erst hier betreten. Wir schlenderten von früh bis spät durch das Gassengewirr. Kehren in kleinen arabischen Restaurants ein und werden egal wo immer herzlich willkommen geheißen. Als die Touristenströme am Abend nachlassen, erleben wir das Leben in den vier – wie so oft hier religiös geprägten und separierten Vierteln. Die Händler reinigen die gepflasterten Gassen, deren Kinder spielen, die Frauen kochen, die Alten sitzen mittenmang und unterhalten sich, unbeeindruckt von allem um sie herum. Und natürlich besichtigten wir all das, was einem als Reisenden in Jerusalem wichtig erscheint. Den Tempelberg, die Grabeskirche, die Erlöserkirche, die via Dolorosa, die Klagemauer und vieles vieles mehr. Und da wir wie schon eingangs erwähnt Land und Leute kennen lernen wollen, sind wir offen gesagt ab und an irritiert über die Intensität von Begegnungen, die wir in den oft religiösen Stätten mit Pilgerreisenden haben. Wir lernen schnell, dass hier in Israel vieles aufeinander trifft. Neben all den unlösbar scheinenden Konflikten vor Ort auch die Reiseansprüche zweier Reisespezien, dem gemeinen Touristen und dem gemeinen Pilger. Wir lernen dazu und arbeiten an uns. Und nehmen einiges mit Gelassenheit.

 

Nach erlebnisreichen Tagen in Jerusalem geht es nun gen Osten. Und bergab. Das Tote Meer mit gut 420 Meter unter dem Meeresspiegel locken, wobei wir auf dem Weg durch eine wahrlich karge und öde Landschaft nicht gelangweilt sind. Das stete bergab und die Besichtigungen der Ausgrabungsstätten von Qumran im Nordwesten des Toten Meeres lassen uns das quirlige Jerusalem reflektieren und die Uhren neu stellen auf das was vor uns liegt.

 

 

Entlang des Toten Meeres haben sich auf beiden Seiten (Jordanien als Nachbar liegt am östlichen Ufer) Orte etabliert, die mit ihren Hotels und Badestellen vollkommen auf die Badegäste eingestellt sind. Wir mussten hier lernen, dass man nicht einfach baden gehen kann. Der Lebensraum Totes Meer hat diesen Namen eigentlich nicht verdient. Denn er erlaubt es nicht, das Leben. Und deswegen halten wir uns strikt an die Regeln. Baden nur an offiziellen Badestellen (dann auch gerne mit Eintritt), langsam ins Wasser, auf keinen Fall auf dem Bauch schwimmen und unter keinen Umständen mit den Augen ins Wasser kommen. Soweit die Theorie und der Plan. Ich habe es dann doch geschafft, mir Wasser ins Auge zu spritzen und es schmerzvoll bereut. Aber das Baden im Toten Meer war trotzdem toll und unvergessen.

 

 

Selbst für mich als sogenannten frühen Vogel beginnt der kommende Tag sehr früh. Wir wollen von Masada aus den Sonnenaufgang überm Toten Meer und Jordanien erleben. Da heißt es früh aufstehen und den Wanderpfad mit Stirnlampen in finsterer Nacht in Kauf nehmen. Und wir haben es geschafft, auch wenn die Kommunikation zwischen mir und meiner Frau eher auf eine eheliche Eiszeit deuten ließ. Die Erkundungen auf dem Felsplateau, das gedankliche Wandeln in längst vergangenen Tagen beeindruckten uns sehr. Und mit der Sonne kam auch in die müdesten Knochen Leben, was die Stille des Aufstiegs schnell vergessen ließ.

 

 

Gen Norden sollte es von hier aus gehen. Der See Genezareth war das Ziel. Und ihn erreichen wir am besten durch das Jordantal. Die Fahrt mag auf der einen Seite unaufregend sein, auf der anderen versuchen die Gedanken in all´ das Wirrwarr aus Wassermangel im Toten Meer und riesigen Plantagen – die genau dieses zu wenige Wasser benötigen –  Ordnung zu bringen. Es gelang uns nicht. Und so überqueren wir dann im wahrsten Sinne des Wortes den Jordan, und schicken unsere verqueren Gedanken über eben jenen.

Am Jordan gibt es Taufstellen, die gefühlt von allen Pilgerreisen angesteuert werden. Eine komplett auf die Ansprüche der Reisenden eingestellte Infrastruktur bringt wie in guten Supermärkten Ordnung in die Schlange der im Wasser wartenden. Bietet gar Fußpflege durch Putzerfische an. Uns reichte der kurze Abstecher, weiter gehts.

DSC02266xs

Im Nordosten Israels angekommen lernten wir, wie uns eine falsche Erwartungshaltung überlisten kann. Klar wussten wir, dass die Gegend durch viele Bezüge zum Neuen Testament auch auf dem Reiseplan der Pilgerreisenden stehen wird. Ahnten wir doch nach dem Lesen unserer Reiseführer aber nicht, dass trotz nachweislicher Diskrepanzen zwischen Altersbestimmungen von Kirchen, Steinen und Hölzern und der biblischen Geschichte die Verehrung von eben diesen Stätten so irre stark und nachdrücklich ausfällt. Aber wir wurden bei Besichtigungen in Tabgha, am Berg der Seeligpreisung und Kapernaum eines besseren belehrt. Und waren froh, unsere Reise etwas abseits ausgetretener Pfade über Safed nach Akko fortsetzen zu können.

 

 

Das Mittelmeer und vor allem die Hafenstädte waren in alten Tage der Schlüssel zur Eroberung und Besiedlung des Landes. Akko gilt als die arabischste Stadt Israels, was am hohen Anteil der arabischen Bevölkerung in der Altstadt liegt. Und uns als Gästen sehr zu passe kommt, als das wir angetan von der orientalischen Küche diese hier in lebendigen Altstadtgassen genießen können. Die alte Stadtanlage mit ihrer massiven Stadtmauer zu erkunden lässt zudem den Tag schnell und wunderbar vergehen.

 

 

Der Mittelmeerküste folgen wir von hier aus gen Süden und erkunden die ehemalige Kreuzfahrerfestung Caeserea, die auch heute noch gut erhalten ist und die wir als unbedingt erlebenswert kennen lernen.

DSC02398xs

Unsere letzte Station in Israel ist Tel Aviv. Gilt Jerusalem als historisches und politisches Zentrum, prägen in der Stadt am Mittelmeer modernes Leben, Kultur und Wirtschaft den Lebensrhytmus. So ist unser erster Eindruck, der uns nicht täuschen wird. Als Weimarer ist die Avenida Rothschild mit ihren gut 250 Bauhäusern natürlich unsere erste Station. Und bei all den architektonischen Perlen – die wir endlich mal in natura betrachten können – werden wir gar nicht müde. Der Zahn der Zeit nagte, ganz klar, aber der Mix aus ursprünglicher Bausubstanz und mit Fingerspitzengefühl und kundiger Hand getätigter Sanierung begeistert uns sehr. Und so folgt auf einen schönen Tag ein wunderbarer Sonnenuntergang am Stadtstrand der Metropole. Und dieser scheint die Bewohner wie auch in anderen Teilen des Landes aus den Häusern zu locken. Doch anders als bisher, scheinen hier auch Randgruppen eine wichtige Rolle zu spielen – wenn nicht gar die entscheidende! Es scheint, als ob viele Israelis die in kleinen Gemeinden und Orten mit ihrer Lebensart, ihren Ansichten und auch Leidenschaften anecken, sich hier in Tel Aviv wohl fühlen, ja einer unter vielen sind. Wir fühlen uns nicht nur deshalb so wohl hier. Tel Aviv – das war uns schnell klar – kam auf unsere Städtereisen-to-do-Liste.

 

 

Bei allen Wertekonflikten, die eine Reise nach Israel mit sich bringen kann, haben wir eben dieses als höchst interessantes und erlebenswertes Reiseland kennen gelernt. Auf den Spuren alter Zeiten haben wir Denkanstöße und neue Wege gefunden. Und kommen ganz gewiss wieder. Denn es gibt immer noch viel zu entdecken.

 

vianova geht 2018 wieder auf Tour und besucht Israel. Hier sind alle Details und Reiseinfos zu finden.

 

 

 

DSC02780xs

 

Israel Reiseziel

1 Comment Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: